Capricho No. 69
Auch in dieser Arbeit findet sich erneut das Thema des Aberglaubens und der Hexenkulte wieder. In Spanien zur Zeit Goyas, Ende des 18. Jhd., war die Macht der katholischen Kirche besonders ausgeprägt und dominant und schuf sich in Form der Inquisition ihre eigene gnadenlose Exikutive, die ihre Berechtigung und Gesetzmäßigkeiten (wenn man in diesem Zusammhang überhaupt von Recht oder Gesetzen sprechen kann) im längst überholten mittelalterlichen Aberglauben suchte und fand.

Vor allem in großen Teilen der einfachen Landbevölkerung oder auch in der eher ungebildeten Bürgerschicht Spaniens stieß die einfache Regel, das hinter allem Unerklärlichem, hinter allem Außergewöhnlichem nur Dämonen, Hexen, ja nur der Teufel selber stecken könne, auf fruchtbaren Boden.

Besonders Frauen, die sich nicht dem üblichen Weg von Heiraten, Kinder bekommen und Familie stellen wollten oder konnten, gerieten allzu schnell in den Fokus der spanischen Inquisition. Anders zu sein als Andere, den von der Kirche und Gesellschaft vorbestimmten Weg zu verlassen, machte eine Frau schon verdächtig - verdächtig der Hexerei nahezu stehen. Oft mit allzu fatalem Ausgang.

Abertausende von Frauen landeten, oft unter den bizarrsten Anschuldigungen, auf dem Scheiterhaufen der Inquisition und erlitten dabei einen grauenvollen Tod. Goyas „Hexen-Bilder“ sind vor allem eine Verballhornung seiner abergläubischen Landsleute, welche in ihrem Wahn um Teufeleien und Dämonen immer neue Spinnereien aus dem Leben und Treiben der vermeintlichen Hexen in die Welt setzten.

Man muss aus heutiger Sicht leider anzweifeln, dass das „ad absurdum“ in der Darstellung von Undenkbarem, einfach nicht Existentem, dem schierem Aberglauben, Einsicht bei jenen hervorrief, die diesen urzeitlich-klerikalen Nonsens im Namen der Kirche proklamierten und somit eine ganze Epoche, welche im Sinne der Aufklärung schon ins kommende Jahrhundert aufbrechen wollte, im Würgegriff des längst überholten Mittelalters halten konnte.



Hexensabbat

Bleistift, Farbstift, Aquarell
Wvz. 4736
Format: 700 x 500 mm

September 2011

 
* Sopla - Es bläst

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