Capricho No. 75
Immer wieder finden sich in der Radierfolge des großen Spaniers Caprichos die sich dem Thema der Zwangsehe oder Zwangsprostitution annehmen. In den zahlreichen Abbildungen finden sich häufig junge Frauen, die oft aus reiner Armut und Perspektivlosigkeit von der eigenen Mutter auf die Straße geschickt oder an den erst besten Heiratswilligen verkauft werden, um Elend und Leid der restlichen Familie zu lindern. Und sei es auch nur in der Form, dass sich durch den Verkauf der Tochter die Anzahl der zu stopfenden Mäuler verringert.

Aber auch in Adelskreisen war es bis zum Beginn des 20.Jhd. durchaus üblich zweckdienliche Ehen zum Wohle des eigenen Standes oder aus rein politischem Kalkül, auch über den Kopf der eigentlichen Protagonisten hinweg, zu beschließen.

Auch wenn dieses Thema bei Goya, wie bereits erwähnt, immer wieder zur Sprache kam, so gibt es in der Serie der Caprichos aber lediglich nur eine Grafik die sich nachweislich mit den Folgen einer solchen Ehe auseinandersetzt. „No hay quien nos desate“ heißt es unter dem Capricho No. 75, was so viel bedeutet wie: „Bindet uns denn keiner los?“.

Abgebildet ist ein Ehepaar, gemeinsam an einem Baum gefesselt. Sich windend versuchen sie sich mit aller Kraft ihrer gemeinsamen Fessel zu entledigen und dies alles unter den Augen eines Eulen ähnlichen Wesens, welches vermutlich den Standesdünkel symbolisiert.

Eine er- oder gekaufte Ehe kann somit zu einer lebenslangen, gar qualvollen Strafe mutieren an dessen Ende, leider häufig genug, die emotionale Katastrophe steht.


Szene einer Ehe ... und wieso bindet sie keiner los

Bleistift, Farbstift, Aquarell
Wvz. 4735
Format: 500 x 350 mm

September 2011

 
* No hay quien nos deste - Bindet uns denn keiner los

<<< zurück >>> weiter