... zu GOYA

Der große spanische Hofmaler Francisco de Goya (1746-1828) gilt zu Recht als Begründer der Moderne, da er sich als einer der ersten Künstler vom Diktat des Auftraggebers löste. Denn noch bis in 19. Jahrhundert hinein, war der Anlass für die Entstehung eines Kunstwerkes der Auftrag eines wohlhabenden Mäzens aus Kirchen- oder Adelskreisen, aber auch aus der betuchten Bürger- und Beamtenschaft. Mit diesen Aufträgen waren zumeist aber auch klare Vorstellungen vom Thema und der Ausführung des Bildes verbunden, denen sich die Künstler natürlich zu fügen hatten.

Auch Goyas Werdegang begann als „Auftragsmaler“, dessen höchste Ehrung 1786 in der Berufung als Hofmaler an den spanischen Hof sichtbar wurde. 1792 erkrankte Goya schwer. In Folge dieser langwierigen Krankheit, die oftmals durch starkes Fieber hervor gerufene Wahnvorstellungen begleitet wurde, verlor er fast seine gesamte Hörfähigkeit. (Literatur: „Goya oder der arge Weg der Erkenntnis“ von Lion Feuchtwanger)

Nach seiner Genesung zog er sich aus fast allen seinen offiziellen Ämtern zurück und kam auch in seiner bildnerischen Arbeit immer weniger den repräsentativen Ansprüchen seiner vermeintlichen Auftraggeber nach. Die Themenwelt Goyas konzentrierte sich nun umso mehr auf die Umsetzung eigener Gedankenwelten. Er verarbeitet in großen düsteren Visionen (als „Schwarze Bilder“ bekannt) seine im Wahn erlittenen Ängste, ätzt aber auch gegen den damals im Volke weit verbreiteten Aberglauben des Hexenkults und menschliche Grausamkeiten.

Als anfänglicher Bewunderer der französischen Aufklärung, sah sich Goya bald genötigt, dem korrupten dekadenten Adel, aber vor allem der verhassten spanischen Inquisition, bildnerisch aussagekräftig entgegen zu treten.
Die Wahl der Kupferdruckradierung, die Goya in Folge dieser Serie zur höchsten technischen Vollkommenheit treibt, basiert wohl weniger auf dem Interesse an den gestalterischen Aspekten dieser Vervielfältigungsmöglichkeit, sondern eher auf dem Wunsch, diese gesellschaftskritischen Arbeiten für wenig Geld einem breiten Publikum zugänglich zu machen.

Es versteht sich, dass das Ansinnen Goyas lebensbedrohlich war. Denn die in Spanien allmächtige katholische Kirche, mit ihrer allgegenwärtigen Inquisition, verbreitete durch ihre Willkür nicht nur Angst und Schrecken im Volk, sondern verfolgte auch gnadenlos ihre Kritiker und ließ diese oftmals wegen „Gotteslästerung“ auf Jahre in ihren Kerkern verschwinden oder gleich auf den Scheiterhaufen stellen.

Auch wenn Goya, durch seine Stellung bei Hofe, sich eines gewissen Schutzes vor der spanischen Inquisition sicher sein durfte, so wählte er dennoch für seine 80teilige Radierfolge den eher unverfänglichen Titel „Caprichos“ (launige Einfälle), und verschlüsselte seine bissig-ätzenden gesellschaftskritischen Aussagen in den einzelnen Radierungen durch eine bis heute rätselhaft anmutende und immer noch nicht eindeutig erklärbare Symbolik.

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