Was nun eigentlich nur als Ergänzung, bzw. Komplettierung meiner damals unvollendet gebliebenen Bildreihe zu Goyas Caprichos gedacht war, hat sich mittlerweile zu einem neuen, gänzlich eigenständigen Zyklus verselbständigt: Dem Zyklus „Variationen zu GoyaEpilog“.

Denn was damals noch rein formale Spielerei war, hat sich in den aktuellen Arbeiten recht schnell zu einer eher rein inhaltlichen Auseinandersetzung mit den einzelnen Themen der Caprichos entwickelt. Bei der zeichnerischen Umsetzung sind insbesondere, neben den Hinweis gegebenen Bildtiteln, die sich oft widersprechenden zeitgenössischen Kommentare von großer Bedeutung.

Die bekanntesten sind die eher verhaltenen, im Prado gesammelten allgemeinen Kommentare (Prado-Kommentare), aber auch ein komplett erhaltenes Manuskript, zu den Caprichos, des Bühnenautors López de Ayala (heute aufbewahrt in der Biblioteca National). Diese sind, ungeachtet der möglichen Repressalien seitens der spanischen Inquisition, oftmals nicht nur wesentlich deutlicher in ihren Anmerkungen sondern kommen auch entgegen den offiziellen Stellungnahmen, zu gänzlich anderen Ergebnissen – hinsichtlich einer möglichen Interpretation.

Und da davon auszugehen ist, das Goya und Ayala sich kannten, Ayala vielleicht sogar auch Goyas schriftliche Anmerkungen auf den jeweiligen Vorzeichnungen zu einzelnen Caprichos gelesen hat, ergibt sich daraus recht Brisantes: Was hat man versucht zu vertuschen, durch eher beschwichtigende Kommentare von offizieller Seite, was aber war wirklich gemeint - was aber nie so gesagt werden durfte?

Abschließend stellt sich natürlich auch nun noch die Frage, warum beschäftigt sich „so einer wie ich“ - immer noch oder nun mal wieder - mit einer kaum noch entschlüsselbaren Radierreihe eines spanischen Künstlers, dessen Entstehung nun schon gut 200 Jahre zurück liegt?

Um diese Frage halbwegs entsprechend begründen zu können reicht schon die inhaltliche Reduzierung der Caprichos auf dessen Kernpunktthemen – in Form von Schlagwörtern: Missbrauch und/oder Stellung der Frau in der Gesellschaft, Ämtermissbrauch durch Politik oder den Klerus, religiöser Irrglaube – die Dämonisierung Andersgläubiger, Andersdenkender. Vieles hat sich seit Goyas Zeiten verbessert, im Grunde aber hat sich auch nichts geändert. Somit – willkommen im 21. Jhdt.


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